Parasailor ²

Aufgabenstellung

Das Projekt Parasailor ² zeigt: Produktoptimierung und Innovation sind keine Grenzen gesetzt. Anfang 2003 erhielt RGD™ den Auftrag, der ISTEC AG ein neuartiges Vorwindsegel zu entwickeln. Es sollte das sicherste und hochleistungsfähigste Segel dieser Zeit werden.

Ein Vorwindsegel ‑ auch Spinnaker genannt ‑ ist ein besonders großes, bauchig geschnittenes Segel aus leichtem Tuch, das vor dem Wind zur Vergrößerung der Segelfläche und damit zur Leistungssteigerung wie Steigerung der Fahrtgeschwindigkeit führt. Nachteil der herkömmlichen Spinnakerkonstruktion ist die konzentrierte und abrupte Kräfteentfaltung. Einfallende Böen oder Wellen können bei großen Spinnakern die Querkräfte so weit erhöhen, dass die Ruderkräfte nicht mehr ausreichen, um das Boot auf Kurs zu halten. Ein gefährlicher Kontrollverlust ist die Folge.

Um diesen Produktnachteil zu beheben, griff RGD™ die patentierte Idee des Seglers Hartmut Schädlich auf und kombinierte Gleitschirmtechnik mit Segelphysik. Heraus kam das Parasailor ², ein symmetrischer Spinnaker mit einer breiten Öffnung in der oberen Hälfte des Segelkörpers. Vor diese Öffnung wird ein durch Staudruck aufgeblasener Flügel platziert ‑ ähnlich einem Gleitschirm. Dieser Flügel generiert aerodynamischen Auf- und Vortrieb. Die Kräfte werden über Leinen an den Segelkörper übertragen, ermöglichen eine enorme Stabilisierung des Segels und somit eine sichere sowie leistungsfähigere Bootsbewegung.

Herausforderung

Die Physik der Umströmung von flexiblen Elementen ‑ wie Segeln ‑ ist hoch komplex. Ein Segelboot ist immer äußeren, variablen Faktoren wie Wellenhöhe oder Strömungen ausgesetzt. Zudem ist die Windgeschwindigkeit niemals konstant und durch Bodenreibung beeinflusst.

Die Kombination der beiden unterschiedlichen Systeme Segel und Flügel steigert diese Komplexität. Denn die Interaktion mehrerer überlappender Systeme ist die schwierigste Herausforderung, die es jemals im Segelsportbereich gegeben hat. Bei dieser Systemkombination ist die Anzahl der variablen Parameter nahezu unbegrenzt, so dass selbst modernste Analysesoftware an ihre Grenzen stößt.

Durchführung

Grundlage des Entwicklungsprozesses zum Parasilor ² ist der Segelkörper. In Kombination mit dem Flügel interagiert dessen Form vollkommen anders als ein herkömmlich geschnittener Spinnaker. Position und Öffnungslage des Flügels sowie dessen Profil- und Formgebung definieren die Eigenschaften des Segels und damit den Einsatzbereich des Spinnakers.

Variationen dieser Parameter verändern signifikant das Gesamtprodukt. Umso wichtiger war es für RGD™, einen homogenen Kompromiss zwischen Leistungs- und Handlingeigenschaften zu finden. Etliche Funktionsmuster, mit deren Hilfe Betriebsgrenzen ermittelt werden konnten, waren erforderlich.

Nur durch das fundierte Fachwissen in den Bereichen Aerodynamik, flexibler Tragflächenbau und CAD-Konstruktion war es RGD™ möglich, die Funktionsmuster technisch zu realisieren. Mit Hilfe von begeisterten Segelfreunden und Segelprofis konnten in kürzester Zeit umfangreiche Produkttests durchgeführt und die unterschiedlichen Größen des Parasailor ² zur Serienreife gebracht werden.

Projektdetails

Was macht den Parasailor ² so einzigartig?
Dieser Spinnaker bietet Seglern einen bis dato nicht für möglich gehaltenen Einsatzbereich auf höchstem Sicherheitsniveau. Die Ventilfunktion der Öffnung führt zu einer hervorragenden Böendämpfung, da überschüssige Luft schnell entweichen kann und gleichzeitig am Flügel Auftrieb erzeugt wird. Die integrierte Flügelkonstruktion ermöglicht Auf- und Vortrieb gleichermaßen. Dies verringert die am Spinnakerkopf angreifende Horizontalkraft und das resultierende Drehmoment am Mast. Der Bug wird deutlich entlastet. Dadurch reduzieren sich Rollen, Geigen und Gieren erheblich.

Durch den inneren Staudruck wirkt der Flügelteil des Parasailor ² als Querverstrebung und stabilisiert die Seitenlieken. Dies ermöglicht die Verwendung eines deutlich flacheren Segelprofils, was dem Parasailor ² einen Einsatzbereich von 70 bis 180 Grad am Wind ermöglicht.

Die Hauptrisiken beim Spinnakersegeln waren bisher das Gieren, Rollen und Querschlagen des Schiffes  sowie das Geigen. Böige Winde in Verbindung mit stärkerem Seegang konnten bislang schnell zum Verlust des Spinnakers führen. Selbst bei einer erfahrenen Besatzung konnte das im schlimmsten Fall sogar zum Verlust des gesamten Riggs führen.